Dienstag, 10. September 2013

König in Edinburgh - Leith Water Walk

Durch Edinburgh fliesst die Leith und sie mündet schliesslich in Leith ins Meer. Da botanischer Garten, grosser Park und andere interessante Dinge in der Nähe der Leith sind, beschlossen wir von unserem Hotel aus, flussaufwärts der Leith zu folgen und die Sehenswürdigkeiten abzuklappern.
Das stellte sich als ganz einfach heraus, an allen schwierigen Stellen oder Brücken ist es relativ gut beschrieben wo weiter und wir hatten, bis auf ein geschlossenes Tor keine Mühe den Weg zu finden. Man läuft auch fast immer ganz der Leith entlang und muss nur selten Umwege laufen.
Zuerst geht es durch das hippe Leith Quartier, das mit Hafencharme und neuen Wohnungen was zu bieten hat. So mancher hat doch eine gärtnerische Ader und verwandelt seine Quadratzentimeter grossen Garten in ein Paradies. Die anderen, nutzen das draussen sein nicht wirklich, bei den herrschenden Temperaturen auch kein Wunder.
Danach stoffelten wir dem Industriegelände entlang, von einer Garage, zur nächsten Metallwerkzeughalle. Überall geschäftiges Treiben, viele Brennesseln und praktisch keine Spaziergänger. Später trifft man auf einen ersten Park, wo wir auf Hündeler und andere Leute mit Zeit trafen. Der Weg ist neu und führt über schöne Kieswege der Leith enlang.





 Als wir in die Nähe des botanischen Gartens kamen, wurden die Häuser plötzlich viel gepflegter, die Brücken moderner und die Gärten ungemein luxuriös. Aber überall sieht man Hochwasserschutztüren und -wände aus Stahl. Die Leith kann offensichtlich schon auch toben und ist nicht nur das harmlose Bächlein, das wir gesehen haben. 
Der botanische Garten von Edinburgh ist riesig. Besonder beeindruckend ist eine Abfolge von riesigen Gewächshäusern, in denen von der Wüste bis zum Regenwald sämtliche Klimazonen nachgebaut wurden und in den verschiedenen Häusern umgesetzt wurde. Einen Moment lang wähnt man sich im Farnurwald in Neuseeland, umgeben von Moos, mannshohen Farnen und Wasser, danach ist man bei einem asiatischen Teich mit grossen Seerosenblätter, wo der Schweiss nur so runterläuft und sogar meine Kamera anfängt anzulaufen. Zwischendurch überall blühende Orchideen, spezielle Pflanzen und sprudelndes Wasser. Aber seht selbst:


Nach diesem exotischen und warmen Ausflug machten wir uns wieder auf unseren kalten Weg zur Leith, wieder durchquerten wir einen Park und kamen an einem Cricketmatch vorbei, wo die Leute sogar auf einem Dach sitzen und über die Mauer gafften. Da weder Benno noch ich etwas von Cricket verstehen und somit die Freude nur gering teilen konnten, watschelten wir ziemlich schnell weiter und landeten in Stockbridge. Das ist ein Stadtteil, der offensichlich nicht den Touristen gehört, der aber ganz schicke Cafés und Sandwichbars zu bieten hat. Für uns reichte die Zeit nur um ein Sandwich mitzunehmen und am Bankomat ein paar Flöckli rauszulassen. Welche Überraschung! Die Schotten haben ihr eigenes Pfund... oh nein, das hiess, wir mussten diese Nötli noch loswerden, bevor wir wieder nach London reisten... Etwas überrascht hat es mich schon, dass sie ihre eigenen Noten führen, aber na ja.... jedes Euroland darf ja auch seine eigenen Euromünzen führen....

Weiter der Leith entlang fanden wir ein hübsches Plätzli um unser Sandwich zu vertilgen. Da fiel uns wieder der Geruch in Edinburgh auf. Schon Tage vorher hatten wir uns gewundert, dass es, falls es mal nicht windet doch etwas merkwürdig riecht.... nach kurzem hin und her wussten wir auch nach was...Brauerei natürlich! 
Dieser zweite Teil des Weges war eigentlich der Schönere, da man quer durch den Park wandert und dann zu einem Areal wo früher die Mühle stand. Grosse Bauten und die Strassennamen lassen keinen Zweifel offen. Hier ist man schon fast in einer Art Tobel, wo links und rechts Hügel oder Häuser hochgehen und im Winter wohl nicht mehr viel Licht reinkommt. Dafür schönstes Grün in allen Abstufungen.
Die Gegend hat viel Charme mit alten Steinhäusern, kleinen Schlössli und hier trifft man wieder viele Jogger, die sich den Weg entlang quälen, mit oder ohne Hund. In Schottland sind die beliebtestens Hunderassen nicht mehr Bullpit, Rotweiler oder Bulldogge wie bei den südlichen Nachbarn, sondern man sieht viele dicht behaarte Windhunde, Jagdhunde in allen Grössen und den Scottish Terrier, der schwarz und frech um die Ecke gesaust kommt... Trägt ungemein zur Entspannung im öffentlichen Leben bei, wenn man nicht an jeder Ecke damit rechnen muss, dass eine mehr oder minder ausgebildete Kampfmaschine um die Ecke kommt. Merkwürdige Vorliebe bei den Schotten ist aber der deutsche Schäferhund... man sieht sie so oft wie in der Schweiz den Labrador.
Unser Weg fühte uns weiter am Fluss entlang und quer durch einen Friedhof, da der normale Weg gesperrt war. Wieder hundert Treppenstufen rauf auf den Hügel und zum Museum of Modern Art, das wir erst fanden, als wir praktisch drauf fielen. Dankbar für die nächste Sitzgelegenheit und eine schöne Ausstellung über Hexen und ihre Darstellung in der Kunst liessen wir den Nachmittag ausklingen, bevor es zurück in die Stadt ging und zum nächsten Ale und Whiskey.
Ganz schön anstrengend, den ganzen Tag im kalten Wind, viel zu schauen und vor allem immer mal wieder runter zum Fluss, rauf auf den Weg, Weg finden und vor allem das nächste Bier suchen... Aber zurück im Hotel, wussten wir auch, warum die Beine müde waren und meine Kamera platzte fast vor lauter neuen Photos. 





Samstag, 7. September 2013

König in Edinburgh - Arthur's Seat

Edinburgh ist nicht flach, sondern ist auf sieben vulkanischen Hügeln gebaut. Darum hat es einen Schlosshügel und man läuft immer entweder rauf oder runter.
Für den Flachländer aus London ist das eine willkommene Abwechslung und die Stadt wurde in alten Zeiten so dicht gebaut, dass sie nur in die Höhe bauen konnten und es überall steile Treppen, Gässchen und Aufgänge hat. Man kann sich so wunderbar verlaufen in dieser Stadt, kommt aber doch meist ans richtige Ort, aber vielleicht anders als gedacht.
Am Sonntag nahmen wir nach einem Museumsbesuch Arthur's Seat in Angriff. Ein karger Hügel von 251m Höhe, so ungefähr das Höchste was man in und um Edinburgh besteigen kann. Sonntag war windig und kalt und wir waren froh, etwas Bewegung zu bekommen. Der Wind trieb uns den Berg hinauf, durch Geröllhalden und braunem Gras. Das Ganze war wunderbar steil und wir fingen so ungefähr bei 0m an und ich kam ganz schön ins schwitzen. Uns wurde gesagt, dass sich die Scottish Highlands ähnlich anfühlen würden, man watschelt durch kniehohes braunes Gras gerade so wie es kommt, ein Weg ist nur eine Idee. Mich hat es gewundert, dass nicht noch ein Schaf um die Ecke guckte, aber dann erinnerte ich mich, dass wir ja in einer Stadt sind, "dem Finanzzentrum" in Schottland. Also keine Schafe....
 Die Aussicht oben ist fantastisch, der Wind aber auch. Man konnte sich praktisch in den Wind lehnen, so stark pfiff er um die Ohren und nach zehn Minuten oben stehen, machten wir uns schleunigst an den Abstieg um an einem windgeschützten Ort zu verschnaufen.
Unser Ziel war ein Pub, angeblich das Älteste (von 1360) in Schottland The Sheep Heid Inn, das in einer sehr schönen Gegen von Edinburgh liegt, wo überall noch alte Steinhäuser stehen. Nur 30 Minuten mit dem Bus vom Zentrum entfernt oder eben ein bis zwei Stunden Fussmarsch, je nach Route.
Das Cider, nachdem wir über den Hügel gewandert sind und der Wind uns kräftig durchgeblasen hatte, war einfach nur herrlich.
Zurück liefen wir dann um Arthur's Seat, wobei wir auch gegen Wind und Wetter ankämpften und Benno sich wirklich fragte, welcher Teufel ihn wohl geritten haben möge, als er sich auf diese Reise einliess.
 
 

Später am Abend wurde aber auch er wieder veröhnlich, da zum Ende des Edinburgh Festivals, wo auch das Tattoo dazugehört, ein Feuerwerkspektakel vom Schloss aus abgeschossen wird, das mit einem Orchester untermalt wird. Mit ein paar hundert anderen und dick eingepackt in Windstopper, Pullover und Windjacke genossen wir das Spektakel von der "Princess Street" der Haupteinkaufsmeile von Edinburgh. Nach diesem anstrengenden Tag schliefen wir beide wunderbar in unserem Englischen Double, für das wir uns unterdessen eine zweite Decke organisiert hatten. 



 

Freitag, 6. September 2013

König in Edinburgh - Schottische kulinarische Impressionen

Böse Zungen behaupten, dass schottische Küche flüssig und nur aus Alkohol besteht... Dem können wir nur teilweise widersprechen, denn die Hauptnahrung in Schottland ist Whiskey und Ale.... Schottischen Cider gibt es, obwohl wir mal überlegten, dass es für Cider doch Äpfel braucht und Apfelbäume bei diesem kalten und windigen Wetter? Da haut es doch jedes Bienchen aus der Bahn... aber na ja, wir liessen das mal schottisches Geheimnis bleiben.


Unsere kulinarischen schottischen Ausflüge waren nicht nur Pubfood, also hauptsächlich fritierter Fisch, Pommes Frites und Burger, wir fanden Restaurants, wo wir so richtig reinhauten und die uns kulinarisch verwöhnten. Das eine war unten in Leith und heisst "a room in Leith" und ist ein schottisches Bistro. Die schottische Spezialität Haggis wurde von Benno natürlich sofort bestellt. Kurz gesagt, es sind Innereien, die zusammen mit Härdöpfelstock serviert werden. Gar nicht so übel, aber was wirklich drin ist, fragt man wohl besser nicht.
 
Mein Lachssalat war natürlich viiiieeeelll besser. Die Fischplatte danach war ein absolutes Highlight. Von Austern über schottische Muscheln bis zum Lachs war alles auf der Fischplatte, was das nordische Meer hergibt. Schottische Muscheln werden am Strang gezüchtet und dieses Jahr gab es Probleme, da wir einen sehr warmen Sommer hatte und sich die Algen überdurschnittlich vermehrt haben, gab es wenig Platz an der Sonne für die Muscheln und somit weniger Muscheln. Die die wir bekommen haben und die meistens an einem feinen Kräuter- Knoblauchsäuceli daher kommen waren aber sehr gut. Einfach nur mmmmmh!


Bar's und Pub's hat Edinburgh ohne Ende und sie haben noch viel mehr die altmodischen Pub's mit Theke zum drum rum tanzen mit verzierten Decken und diesen unsäglich hässlichen Tapeten, die nur in einem englischen Pub gut aussehen. Hier ein paar Müsterli und links zu unseren Favoriten:


Was in Schottland (übrigens auch in London) auffiel, die Insulaner und wir Schweizer, haben nicht das gleiche Verständnis von Sauberkeit in einem Restaurant. Ein gewisses Grundmass an Sauberkeit ist in den hiesigen Pubs und Restaurants schon vorhanden, manchmal ist es auch super, manchmal wird aber mit einem dreckigen Lumpen, der Dreck halt eher verteilt, als sauber gemacht. Es kann auch passieren, dass man bereits nachmittags um drei Uhr in einem Pub am Boden schier kleben bleibt, weil irgendwer vergessen hat, den Boden aufzunehmen und das Schöne ist, es stört überhaupt niemanden. Ich habe mir angewöhnt, darüber hinwegzusehen und sage mir immer, ich esse ja aus einem Teller oder trinke aus einem Glas, das sauber ist. Wo ich aber keine Gnade walten lasse, ist bei dreckigem Besteck. Das geht mir dann zu weit, wird aber auch anstandslos ausgetauscht. Die Toiletten spiegeln meistens die Sauberkeit wieder und werden teilweise sträflich vernachlässigt oder von mir schlicht überbewertet. Unterdessen habe ich mich dran gewöhnt, ich merke es nur wenn jeweils Besuch aus der Schweiz kommt und sich wundert, dass man hier nicht vom Fussboden essen könnte.


Eine Bar die komplett raussticht ist "The Dome". Hier wurde eine ehemalige Bank, man kann sich ungefähr UBS and der Bahhofstrasse vorstellen, zu einer Bar und einem Restaurant umfunktioniert. Obwohl mit Rotlicht und Kitschblumen, sehr gelungen, wie wir finden. Hier liessen wir uns fachkundig über Whiskeys beraten und schlemmten Lachs- und Roastbeefsandwiches... Auch alkoholfreie  Drinks sind sehr empfehlenswert.

Für den kleinen Hunger zwischendurch sind Scones mega praktisch. Kleine Brötchen, entweder ohne nix (plain), mit Wiibeerli, Käse oder Schinken kommen sie mit gesalzener Butter, Clotted Cream (zu einer Art Butter geschlagener Rahm) und Konfi daher und haben gerade die richtige Grösse und Dichte um am Nachmittag, das kleine Hüngerchen zu überbrücken. Natürlich können die Schotten auch mit allen möglichen Cakes und Cup Cakes aufwarten, aber für mich sind diese Desserts ein bisschen zu süss. Ein simpler Apfelkuchen, der aus Mürbeteig und einer süssen Apfelfüllung besteht wird zusätzlich in Puderzucker ertränkt, oder ein Cheescake mit Karamel, wird noch mit Karamelsauce versehen, so dass man auch sicher nur noch süsses Karamel im Mund hat. Einfach ein bisschen zu viel des Guten! Aber auf der Insel verhungert garantiert keiner!

Ein weiteres Restaurant, das uns in Edinburgh überzeugte, hiess "Angel's share" (Anteil des Engels) oder "Devil's Cut" (ein Schnitz für den Teufel), je nachdem wo man reinkam.Wir wurden mitten in die Bar platziert und die Bedienung war so was von freundlich und tiffig, dass wir nur staunten. Benno's 28 Tage in etwas Schottischem eingelegten Beef war super und auch mein Hühnchen wurde restlos verputzt. Selbst ein Chäsplättli zauberten sie auf den Tisch, womit sie bei Benno natürlich sofort die Führung unserer Hitliste übernahmen... Ein schönes Abschiedsessen von Edinburgh.

Donnerstag, 5. September 2013

König in Edinburgh - Castle

Ich konnte Benno dazu überreden, mit mir nach Edinburgh in die Ferien zu kommen. Als er den Wetterbericht sah, war er sich nicht mehr so sicher, ob das nicht ein Fehler war. Circa 10° C kälter als London und Regenwolken waren in der Voraussage. Natürlich inklusive "a little breeze", was in Schottland noch eine ganz andere Bedeutung bekommt, aber dazu später mehr.
Edinburgh brauchte gewisse Vorbereitungen. Ich habe mir einen Windstopper gekauft und Benno hat seine Winterjacke mit integriertem Fleece aus der Schweiz mitgebracht. In Heathrow wurden wir in ein grosses Flugzeug gepackt und dann hiess es, es hätte ein bisschen Wind in Edinburgh... was dazu führte, dass wir wie ein Sack Steine auf der Landebahn auftrafen. Nach dem Aussteigen entdeckten wir es: das bisschen Wind ist ein saukalter Wind, der mit netter Windstärke 4 ums Gesicht bläst...
Nach dem Zwiebelprinzip wurde alles montiert, was irgendwie warm gibt. Mit dem Bus rasten wir über die Schlaglochpiste in die Stadt. Überall sieht man neue Tramhaltestellen und Schienen, aber kein Tram. Tatsache ist: Edinburgh baut ein Tram, gemäss einem Taxifahrer schon lange und vielleicht ist es Ende Jahr fertig, vielleicht auch nicht. Die Tramlinie ist kürzer, da teurer als ursprünglich gedacht und die Trams aus Spanien eingekauft.... Kommentar des Taxifahrers im breitestens schottischen Akzent war nur: ich habe keine Ahnung von Trams, unser Bürgermeister offensichtlich auch keine von Tram bauen und wird sie wohl auch nie haben...
Wir waren hauptsächlich mit Bus und zu Fuss unterwegs. Unser Hotel lag nahe beim Ocean Terminal in Leith, einem eher neueren Quartier um die Docks, mit ein paar hippen Bars und Restaurants. Unser erster Abend endete stilvoll mit einem italienischen Essen.... wir waren noch nicht bereit für schottische Abenteuer.
Nach einer herrlichen Nacht in einem englischen Double mit einer Decke... (Benno: "Ich hab kein Platz!, Silvia: "Klau nicht immer meine Decke...") - wie machen das die Schotten bloss??? verbrachten wir den Samstag mit all den andern Touristen im Schloss. Zuvor besuchten wir den Bauernmarkt. Klein, aber richtig schmuck gemacht.
Edinburgh hat eine regelrechte Trutzburg und man sah auch noch die Tribüne, wo eine Woche zuvor das Tattoo stattfand. Schön wieder einmal eine Stadt mit Hügel zu entdecken, wo nicht alles wirklich flach ist!
Die Burg war wie erwartet ziemlich überlaufen. Langes Warten am Eingang war inklusive, aber die Aussicht, die man von der Burg aus geniesst, ist genial. Die Burg war natürlich immer hart umkämpft ob gegen oder mit den Engländern. Die Liste der schottischen Könige, die in der Burg gehaust haben, ist etwas so übersichtlich, wie das Strassen- und Treppengewirr in Edinburgh. Jeden Mittag um ein Uhr wird seit 1800irgendwann ein Kanonenschuss abgegeben, ursprünglich um Schiffen die Zeit anzuzeigen, heute für die Touris und damit auch keiner seinen Lunch vergisst. Es knallt doch ganz schön, wenn man daneben steht :-) und es einen nicht gerade komplett weg windet.
Gute zwei Stunden erkundeten wir die Burg und liessen uns dann die Royal Mile heruntertreiben, mit allen anderen Touristen.
Am Abend hatten wir genug Touristen und zogen uns wieder nach Leith zurück, wo wir das Restaurant ausprobierten, das wir schon einen Tag vorher gesehen hatten, aber dazu mehr im nächsten Beitrag!
 
 

 

 


Dienstag, 27. August 2013

Notting Hill Carnival



London hatte einen Feiertag am Montag und der wird jedes Jahr mit dem zweitgrössten Karneval dieser Welt zelebriert. Wie beim echten Karneval sieht man viel Haut, es hat dröhnende Bässe und viel Alkohol. Da wir für heute noch was anderes geplant hatten, waren wir relativ früh dran (zum Glück!) und sowohl die Tube wie auch das Fest war noch nicht ganz so überlaufen. Man kommt nach Notting Hill und der erste Eindruck ist, dass wir im Krieg sind. Die Gärten sind mit dicken Eisengitter und Fenster und Haustüren direkt an der Strasse mit Spanplatten verammelt. Gewisse haben Schilder an ihrer Tür, dass man für 1 oder 2 Pfund die Toilette benützen darf, andere sind offenbar ausgezogen. Und überall im Fest sieht man Polizisten stehen, immer in Gruppen und meistens Schwarz und Weiss gemischt, wegen dem Konfliktpotenzial.
Überall raucht es aus Essenständen, man hört das Summen von dieselgetriebenen Stromgeneratoren und sieht halb aufgeschittene Fässer, die als Grill umfunktioniert wurden. Darauf stark rauchend Hühnchen und Maiskolben soweit das Auge reicht. Überall werden die jamaikanischen Gerichte angeboten Jerky Chicken, Goat Curry, Patties und Pastries. Also verrücktes Huhn, Geissencurry, irgendein Gemüse (meine Vermutung war Süsskartoffeln) und gefüllte Teigtäschen mit Rind oder Huhn. Daneben die frischen Kokosnüsse, bei denen mit der Machete der Kopf abgehauen wird und zwei Strohhalme reinkommen und Red Stripe Bier, das jamaikanische Bier. Die Essensstände wechseln sich ab mit Musikanlagen, die komplett jegliche Schallgrenze ignorierend entweder Bandmusik spielen oder einen DJ am Pult haben. Zum Glück hatte ich meine Ohropax dabei, sonst wäre ich wahrscheinlich versucht gewesen bereits nach einer halben Stunde wieder nach Hause zu gehen. Die Besucher sind mehrheitlich dunkelhäutig, jung und bereits um zwölf Uhr mittags schon sehr gut beieinander.
Wir kurvten von Stand zu Stand und machten uns auf den Weg zum Umzug, der in einem grosszügigen Kreis um das Festgelände rumkurvte und natürlich die berühmte Portobello Road heraufkommt. Wie an der Streetparade kommen Trucks mit Musikanalgen und dahinter die leichtbekleideten Tänzerinnen, wobei man auch sehr viele bleiche Engländerinnen in diesen Röckchen sieht. Viele Leute laufen mit den Wagen mit und trinken und tanzen. Es gibt viel zu schauen und die Anwohner an der Portobello Road tanzen auf Balkonen und trinken ihr Bierchen im Fenster.
Später musste ich dann die kulinarischen Leckereien probieren und ich versuchte eines dieser „verrückten Hühner“, das wie in China einfach mal quadratisch in Stüce gehackt wird. Das Huhn war wie erwartet mit gutem Raucharoma versehen und die Sauce dazu schaaaarrrfffff!!!! Pfffüh, braucht man da ein Bier um zu löschen. Maiskolben gegrillt ist immer gut und lecker....
Nachdem wir ein paar weiter ohrenbetäubende DJ’s angehört hatten, machten wir uns auf den Weg in die Royal Albert Hall, nachdem wir noch ein weiteres Phänomen der Bassjunkies beobachtet hatten. Vor all diesen überdimensionierten Musikanlagen stehen immer 2-3 Personen ganz still in sich versunken und lassen sich beschallen udn be-vibrieren von der Musik. Ich weiss nicht was das für einen Kick gibt, aber muss besser als jede Droge wirken. Mich hat es teilweise samt Ohropax weggefegt... aber na ja, jedem seine Insel oder seine Droge, oder wie auch immer das heisst. :-)
Unser Weg zur Royal Albert Hall um vier war etwas „crowded“ wie der Engländer sagt. Oder in deutsch, es hatte einfach wahnsinnig viele Leute und alle strömten zum Festival, während wir vom Festival weg zu gehen versuchten und uns dann in den Hyde Park retteten, der auf dem Piratenkinderspielplatz ein ähnliches Bild zeigte wie das Festival.... Leute überall. Aber an so einem schönen sonnigen Tag hätte es mich auch verwundert, wenn nicht halb London draussen sitzen würde. :-)